Schweizer trinken weniger Wein

In jedem Schweizer Kanton wird Wein angebaut. Mit all den Hanglagen bietet sich das an und es stellt sich zum anderen die Frage, was denn an einem Steilhang sonst außer Wald oder einer mageren Wiese kultiviert werden könnte. Bei der Abfüllung machen der rote Pinot Noir und der weiße Chasselas mit Abstand die meisten Flaschen voll, es sind jeweils um 400.000. Weiter geht es mit Gamay und Merlot mit je über 100.000, beides Rotweine. Auf Platz fünf kommt der weiße Müller-Thurgau mit unter 50.000 Flaschen. So lauten zumindest die Zahlen für 2016 vom Bundesamt für Landwirtschaft.

Pro Kopf haben Schweizer im Jahr 1997 59,2 Liter Bier und 43,5 Liter Wein im Jahr getrunken. Im Jahr 2016 waren es 55,8 Liter Bier und 33,8 Liter Wein. Der Bierkonsum ist etwas, der Weinkonsum stark rückläufig. Dass sich eine Gesellschaft entwickelt und die Schweizer zur Unterhaltung vielleicht lieber im Internet surfen oder spielen, wo Nüchternheit Trumpf ist, wäre denkbar. Ein weiterer Trend führt zum Rückgang der Weinnachfrage, nicht nur in der Schweiz. Vielfach wird auf das Glas Wein zum Essen verzichtet. Das liegt nicht allein daran, dass viele noch Auto fahren wollen. Es liegt auch daran, dass Trinken nicht mehr ganz so schick ist. Dabei sind ein zwei Glas Wein doch etwas ganz anderes, als sich unschick zu betrinken.

Dass die Schweizer nicht mehr so viel Wein trinken, wird weniger an den Weinpreisen liegen, die für deutsche Verhältnisse abgehoben sind. Eine Flasche vom einheimischen Wein kostet mal eben 15 Schweizer Franken oder mehr. Wenn jedoch bedacht wird, dass das leibliche Wohl in der Schweiz generell doppelt bis dreifach so teuer wie in anderen europäischen Ländern ist, dann sind das normale Preise, die man sich leisten kann. Trotzdessen, dass die Schweizer nun weniger Wein trinken, importieren sie 65% aus dem Ausland, meist aus Italien, Frankreich und Spanien. Die Importe werden verzollt und sind deswegen ähnlich „teuer“. Aber mit dieser Politik der teuren Agrargüter bleiben die Berghänge als Wirtschaftsflächen erhalten, womit es in jedem Kanton Weinhänge und einiges mehr gibt.

In jedem Fall kann sich Schweizer Wein sehen lassen. Wenn die Rebstöcke über die Sommermonate auf dem Südhang die Sonne spüren und im Boden die richtigen Mineralien eingelagert sind, muss der Winzer nur noch die Pflege, das Ernten, das Einkeltern und Abfüllen übernehmen.

Im Endeffekt ist es auch nichts Schlimmes, weniger Wein zu trinken. Gerade beim Wein geht es nicht um die Menge, sondern um die Klasse. Wer beim aufwachen weniger verkatert ist, hatte vielleicht sogar am Abend zuvor mehr Spaß. Aber ganz ohne ein gutes Glas Wein wäre das Leben auch langweilig, ein klein wenig Sünden gehört immerhin dazu. Die ein oder andere gute Flasche im eigenen Weinregal einzulagern, ist in jedem Fall kein Fehler.

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