Grapeale, der Wein im Bier

Der etwas andere „Schaumwein“

Vielfach geht es um die „neue Idee“, die deswegen keine gute Idee sein muss, um Beachtung zu finden. Ob es ein Fan vom Bier oder Wein ist, die Getränkeidee vom Grapeale wird zumindest alle einmal aufblicken lassen: Den Zutaten vom Bier werden Weinbeeren zugeführt, um alles miteinander zu brauen. Das Getränk erfüllt nicht mehr die Kriterien von einem Bier oder Wein und wird damit als „Grapeale“ bezeichnet. In Iphofen hat ein deutscher Winzer diese Idee aufgegriffen, um einige Liter Grapeale zu brauen. Das erste Grapeale wurde bereits getestet, es soll etwas nach Sauerbier schmecken. Beim Einschenken schäumt Grapeale ein wenig.

Geschmacklich trifft ein Grapeale also weder ein typisches Bier, noch einen klassischen Wein. Die Vermutung liegt nahe, dass dieses Getränk eine gewisse Zeit im Weinregal reift, bis es dann doch zerfällt. Die Lagerfähigkeit wird sich vermutlich auf ca. ein Jahr beschränken, in dem sich der Geschmack „entwickelt“.

Diese Idee scheint allerdings nicht neu zu sein, da eine kurze Recherche ergeben hat, dass es im Jahr 2015 in Italien ebenfalls ein Grapeale gegeben hat. Das Getränk scheint zumindest bekömmlich zu sein und ein ganz neues Geschmackserlebnis zu bieten. Ob dieses sich auch durchsetzen kann?

Besucher einer Biermesse berichten häufiger, sie hätten nicht gewusst, was es alles an bierartigen Getränken gibt. So hätten sie Bier mit Lakritzegeschmack und ähnliche Kreationen getestet und sich keine Flaschen davon mit heim genommen. Ob Grapeale bei derart abartigen Geschmackskreationen mitkommt? Gewiss nicht, selbst ein mit Weinbeeren gebrautes Bier kann nicht so widerlich sein. Möglicherweise hat dieses Getränk sogar Zukunft, wenn an der Rezeptur und dem Brauverfahren gearbeitet wird. Neben dem „Kerngeschäft“ noch ein paar Arbeitsstunden für experimentelle Projekte aufzuwenden hat gewiss schon Unternehmen zum Durchbruch verholfen.

Wer jetzt eine Flasche Grapeale aus Iphofen bei Nürnberg erstehen möchte, muss vermutlich an den richtigen Adressen fragen, die hier nicht bekannt sind. Die Macher sind der ausgebildete Winzer Nicolas Olinger und der Nürnberger Brauer Felix vom Endt. Die Flaschenzahl ist gering und 0,75 Liter werden mit zehn Euro angesetzt. Für zehn Euro das erste Grapeale testen oder doch bei einem guten Wein auf Nummer sicher gehen?

Wer wirklich ein Grapeale aus Iphofen ersteht, der wird sich beim ersten zaghaften Schluck gewiss fragen, wie ein geschulter Winzer mit Sommelier-Ausbildung nur auf solch eine Idee kommen kann. Nun, wer sein Praktikum bei einem Bierhändler macht, nimmt auch hier den ein oder anderen Schluck „Erfahrung“ mit auf seinen Weg. Ob ein Grapeale in dem Land vom Reinheitsgebot Zukunft hat? Wer gerade keine Flasche ergattern kann, der kann immer noch etwas Bier in den Wein kippen und vorsichtig nippen. Das ist dann natürlich kein richtiges Grapeale, aber immerhin werden die meisten einen völlig neuen Geschmack erfahren.

Quelle:

http://www.gamberorosso.it/en/food-news/1024576-beer-stories-italian-grape-ale-a-unique-style-for-a-bel-paese-beer

http://www.infranken.de/regional/kitzingen/wein-und-bier-in-einer-flasche;art113220,3188452

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